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Donnerstag, 13. Juni 2013

21. Mai - 3. Juni 2013 - Bogotá und Medellín



Was kann ich über diese Zeit berichten? Es ist mittlerweile meine 6. Woche in Bogotá und mein dritter Aufenthalt in Medellín. Nach wie vor gefallen mir diese Städte sehr gut, und auch mein Vater findet zumindest an Medellín Gefallen (etwas anderes ist auch schlichtweg unmöglich). Ich zeige ihm in seiner Woche in Kolumbien die beiden Städte, so gut ich kann. Unter anderem besuchen wir in Bogotá den Monserrate und in Medellín die legendäre Rooftop-Bar, welche nach wie vor als Geheimtipp gilt.

In meiner zweiten Woche in Bogotá, mein Vater ist mittlerweile zurück in die Schweiz geflogen, beschäftige ich mich intensiv mit Online Poker und dem Treffen von Freunden. An meinem letzten Abend in Kolumbiens Hauptstadt, Melancholie pur, lädt mich Jorge an die Geburtstagsparty des Ehemanns seiner Cousine ein (ja ich weiss, kompliziert). Einmal mehr bin ich die Hauptattraktion, man will alles über mich und von mir wissen. Man ist sich fremd, und trotzdem gehöre ich irgendwie zur Familie. Der Alkoholkonsum steigt kontinuierlich, wie es an kolumbianischen Festen so üblich ist. Jede und jeder versucht mich abzufüllen, einmal mehr bin ich froh um meine Trinkfestigkeit. Um drei Uhr morgens realisiere ich, dass es langsam Zeit wäre, mich auf den Heimweg zu machen. Denn schon in ein paar Stunden muss ich den Flug nach Barranquilla erwischen und vorher noch meine ganzen Sachen zusammenpacken. Es sieht nach einem anstrengenden Morgen aus...

Abendstimmung während der Regenzeit

Freitag, 7. Juni 2013

20. Mai 2013 - Auf der Durchreise nach Bogotá

Unsere Flüge nach Lima verlassen Cusco um circa 11 Uhr. Da es nur eine kurze Fahrt zum Flughafen ist, besteht kein Grund zur Hektik. Sollte man meinen. Das bestellte Taxi lässt eine halbe Stunde auf sich warten, und zu allem Übel sind Cuscos Strassen heute auch noch durch übermässigen Verkehr verstopft. So wird aus den geplanten 90 Minuten am Flughafen plötzlich nur noch eine halbe Stunde. Eine Stunde vor Abflug müsste man spätestens dort sein... Mein Vater erwischt mit der Hilfe von einem bisschen Kleingeld noch seinen Flug, doch meiner ist sowieso überbucht und ich werde auf einen späteren umgebucht. Alles halb so schlimm also. Wie gesagt, das gehört alles zur Familientradition. 

In Lima angekommen, mache ich es mir im Hostel Pariwana gemütlich. Dieses hat es mir als ehemaligen Gast freundlicherweise erlaubt, mein Gepäck dort abzustellen sowie mich während des halben Tages Aufenthalt in Lima dort aufzuhalten. Da ich am Abend ja bereits nach Bogotá weiterfliege, macht der Bezug einer Unterkunft keinen Sinn. So verbringe ich den Nachmittag in der Bar und erledige diverse Dinge. Am Abend schaue ich mir zuerst noch Miraflores genauer an, bevor ich mit einer Kollegin, ebenfalls in Manchester kennengelernt, ein Nachtessen habe.

Kurz darauf geht es bereits an den Flughafen, mein Flug nach Bogotá verlässt Lima kurz nach Mitternacht. Ich verlasse somit auch Peru!


Dienstag, 19. März 2013

16.-18. März 2013 - Wiedersehen mit Bogotá

Es ist also wieder einmal soweit. Nach einem sensationell kurzen Flug von nur 27 Minuten lande ich in Bogotá. Dann gehts per Taxi direkt in "mein altes Heim", wo ich die Couch beziehe. Noch bin ich alleine da, doch bald trifft meine amerikanische "Nachfolgerin", welche mein altes Zimmer mietet, ein. Wir merken, dass wir tatsächlich die gleiche Spanisch-Lehrerin haben beziehungsweise gehabt haben. Dies ist umso erstaunlicher, als dass sie nach meiner Abreise die Stelle gewechselt hat und somit an einer anderen Schule unterrichtet! Wie klein die Welt doch ist...

Eigentlich ist es ein eher ruhiges Wochenende, da ich abgesehen von ein oder zwei Stadtspaziergängen nichts unternehme. Ich habe ja schliesslich sechs Wochen hier gelebt und kenne die Stadt also schon. Abends treffe ich jeweils alte Freunde und wir gehen aus.

Allgemein sehe ich Bogotá während meines zweiten Aufenthalts in einem anderen Licht. Die Regenzeit schlägt voll zu, und so ist die Stadt während meines zweiten Aufenthalts praktisch einem Dauerregen ausgesetzt. Es ist für Kolumbien schweinekalt. Die Stadt erscheint mir, nachdem ich die Vorzeigestadt Medellín und andere Gebiete Kolumbiens gesehen habe, plötzlich nicht mehr so paradiesisch. Es fällt mir mittlerweile auf, wie schmutzig die Strassen sind, wie verhältnismässig unfreundlich die Leute sind und wie die ganze Stadt scheinbar einem Chaos verfallen ist.

Trotzdem geniesse ich dieses Wochenende in vollen Zügen. Nach nur 3.5 Tagen entschwinde ich aber bereits nach Cali und so wird es Zeit, mich endgültig von meinen in Bogotá lebenden Freunden zu verabschieden... Machts gut und vielen Dank für die Gastfreundschaft!

Sonntag, 10. Februar 2013

4.-10. Februar 2013 - Endspurt in Bogotá

Endspurt! Bereits habe ich die letzte Woche in Bogotá erreicht, insgesamt bin ich also schon seit sechs Wochen unterwegs. Die Woche ist geprägt durch den Beginn der Regenzeit. Mindestens einmal täglich wird Bogotá von gewaltigen Regenschauern heimgesucht, ein Abflussystem für die enormen Wassermengen sucht man in den Strassen vergebens.

In der Schule merke ich, dass ich langsam Fortschritte mache. Die Grammatik wird anspruchsvoller und dem Französisch immer ähnlicher. Und siehe da, es wird tatsächlich "einfacher". Themen wie das Condicional oder der Subjuntivo sind beinahe identisch. Trotzdem zieht auch diese Woche wie im Flug an mir vorbei, und plötzlich ist es schon wieder Freitag. An diesem Nachmittag findet wie immer eine Schulaktivität statt, wir probieren den kolumbianischen Nationalsport Tejo aus. Wie das genau funktioniert, kann man in diesem Video sehen:



Anschliessend heisst es Abschied nehmen von denjenigen Personen, welche ich dieses Wochenende nicht mehr sehen werde. Irgendwie wachsen einem diese Leute (auch die Lehrpersonen) halt doch ans Herz ;-) Am Abend gehen wir noch einmal zusammen in den Ausgang und machen auch für den Samstag Abend Pläne. Obwohl unsere kolumbianischen Kollegen diverse Bekanntschaften mitbringen, dauert der Abend nicht allzu lange. Auch den Samstag Morgen und Nachmittag gehe ich langsam an, am Abend treffen wir uns wieder und gehen in ein bekanntes Lokal (Andrés Carne de Res). Es stellt mitunter eine der teuersten Ausgehmöglichkeiten in Bogotá dar, doch es lohnt sich. Das Restaurant mutiert im Laufe des Abends zu einem Club auf vier Stockwerken; dies alles beinahe zu schweizer Preisen. In den frühen Morgenstunden gehen wir nach Hause.

Am Sonntag mache ich mich im Internet auf die Suche, wie ich am nächsten Tag denn eigentlich nach Villa de Leiva kommen würde. Busse fahren vom Terminal de Transporte aus stündlich nach Tunja, dem Hauptort von Boyacá (vier Stunden). Von dort aus geht es per Minibus weiter nach Villa de Leiva, was eine knappe Stunde dauern wird. Der Sonntag Abend verläuft ruhig und ich esse ein letztes Mal mit meinem Mitbewohner Nicolás. Nach Mitternacht gehe ich ins Bett, denn Morgen muss ich um sieben Uhr aufstehen.

Nostalgie kommt nicht wirklich auf. Bogotá werde ich aber definitiv vermissen. Auch wenn ich auf längere Zeit nicht in dieser Stadt würde leben wollen, hat es mir hier sehr gefallen und es gibt durchaus Aspekte, welche ich hier der Schweiz gegenüber ganz klar vorziehe (Nachtleben, Lockerheit). Auf der anderen Seite fällt einem aber nach sechs Wochen Absenz halt doch auf, was wir in der Schweiz für einen Lebensstandard haben. In Punkto Sicherheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hinkt uns Kolumbien ganz klar hinterher. Gleichzeitig ist diese Laissez-faire Mentalität aber auch die Grundlage für die südamerikanische Gastfreundschaft, die Herzlichkeit und die Lockerheit. Ich denke, dass man unsere Exaktheit, welche teilweise auch in Sturheit und Inflexibilität ausartet, gleichzeitig auch die Grundlage für unseren Lebensstandard bildet.

Sonntag, 3. Februar 2013

28. Januar - 3. Februar 2013 - Die Woche der Museen

[Nachtrag zur letzten Woche: Da ich von verschiedenen Schulkollegen auf das Fehlen des Protagonisten der letzten zwei Schulwochen in meinem Blog aufmerksam gemacht wurde, möchte ich dies hiermit nachholen. Lars, ein Deutscher mittleren Alters, war immer wieder für einen Lacher gut. So bezog er sich mit Las Comunistas auf die Ostdeutschen, nannte unsere japanische Klassenkollegin China Girl und trumpfte stets mit Insiderwissen über die japanische Bevölkerung auf ("Japanese people never travel alone, they always come in buses!") auf. An anderen Tagen beschränkte er sich darauf, sich während Gruppenarbeiten mit Sätzen wie "I have to lay an egg" für sein grosses Geschäft zu verabschieden oder mir im während der Rush Hour vollgestopften Bus lautstark auf Spanisch zu erklären, wieso er kolumbianische Frauen nicht mag (sie sind alle nur hinter seinem Geld her). Danke Lars, wir werden dich vermissen!]

Schon wieder eine Woche vorbei. Diese Woche stehen wie angekündigt vor allem Museen-Besuche auf dem Programm, denn in Bogotá gibt es für praktisch alles eines! Am Montag will ich mir zusammen mit einem schweizer Kollegen aus der Schule das berühmte Museo del Oro (Wikipedia Museo del Oro) anschauen. Nachdem wir es endlich finden, stehen wir vor einem leeren Gebäude, denn, wer hätte es gedacht, am Montag ist das bedeutendste Museum der Stadt geschlossen. Naja, kann passieren. Als dann am Dienstag das nicht weniger berühmte Museum des weltbekannten Künstlers Fernando Botero (Wikipedia Fernando Botero) auch geschlossen hat, nehme ich es schon etwas persönlich! Dann schauen wir uns haltt das Museo de la Independencia an, welches aber leider nicht wirklich viel zu bieten hat. Immerhin verfügt das Haus über eine schöne Terrasse mit Blick auf den Plaza de Bolívar.

Plaza de Bolívar

Da wir mit dem Museum ziemlich schnell fertig sind, ziehen wir weiter zum Museo Nacional (Wikipedia Museo Nacional), welches nebst vielen antiken Skulpturen und Informationstafeln auch alte Gemälde beherbergt.

Wappen der Estados Unidos de Colombia

Das Wetter ist leider während der ganzen Woche nicht sonderlich berauschend, was aber gleichzeitig die Gelegenheit für solche Stimmungsbilder liefert.

Stimmunsbild Bogotá

Am Freitag besichtigen wir schlussendlich das Gold- und das Boteromuseum und beide haben tatsächlich geöffnet. Den Anfang macht das Museo Botero. Die meisten von Boteros Gemälden zeigen fette voluminöse Menschen, bei diversen Tätigkeiten. Was daran so besonders sein soll und wieso ihn dies weltbekannt gemacht hat, weiss ich auch nicht. Wahrscheinlich muss ich es aber auch nicht verstehen...

Diese Hand begrüsst uns am Eingang.
Botero...
Auch dieses übergewichtige Pferd hat die Ehre!

Doch nicht nur Boteros Kunstwerke sind in diesem Museum ausgestellt. Zur Eröffnung wurden dem Museum auch andere weltbekannte Gemälde, wie beispielsweise dieser "Picasso" vermacht.

Pablo Picasso

Mit Abstand am besten gefällt mir der Innenhof des Museums. Wirklich sehr schön!

Innenenhof des Museo Botero

Nachdem ich tatsächlich noch die Alarmanlage ausgelöst habe, indem ich zu nahe an ein Gemälde getreten bin, verlassen wir das Museum (freiwillig). Als Nächstes steht das Museo de Arte Colonial auf dem Programm, welches nebst seinem Innenhof aber nicht viel zu bieten hat.

Innenhof des Museo de Arte Colonial

Nächster Halt: Museo del Oro! Dieses Museum ist im Besitz von über 55'000 Fundstücken aus präkolonialen Zeiten aus Gold, über 6'000 davon sind ausgestellt. Das Museum ist wirklich sehr schön gemacht, sogar die meisten Informationstafeln sind auch in Englisch vorhanden. Die Fundstücke sind sehr eindrücklich, aber leider ist es auf drei Stockwerken immer etwa das Gleiche (verständlicherweise).

Museo del Oro
Eindrücklich!
Wie gesagt, über 6'000 Fundstücke sind ausgestellt...

Am Samstag kann ich mich endlich dazu aufraffen, die ersten Phase meiner Reise zu planen. Schliesslich geht es in einer guten Woche los! Ich werde mich zuerst per Bus nach Tunja (Hauptort von Boyacá, siehe frühere Posts) aufmachen und mir dort den kolonialen Baustil ansehen. Anschliessend geht es in kleineren Etappen weiter nach Bucaramanga, der sechstgrössten Stadt des Landes. Schlussendlich ziehe ich weiter ins Karibikparadies Santa Marta, von wo aus ich kleinere und grössere Ausflüge unternehmen werde, bevor es der Küste entlang nach Cartagena de Indias geht. Dies ist aber nur der grobe Plan, mehr dazu gibt es dann später sobald ich selbst mehr weiss ;-)

Sonntag, 27. Januar 2013

21.-27. Januar 2013 - Halbzeit in Bogotá!

Genau an meinem Geburtstag habe ich die Halbzeit meines fünfwöchigen Sprachaufenthalts in Bogotá erreicht. An dieser Stelle nochmal ein Dankeschön für alle Nachrichten und Telefone! Auch diese Woche habe ich wieder fleissig Spanisch gelernt und bin trotzdem immer noch im Beginnerstadium. Es sieht so aus, also ob ich mich auf meiner Reise hauptsächlich mit Händen und Füssen verständigen muss. Aber irgendwie wird das schon gehen! Ansonsten war es eine ruhige Woche mit wenig Aussergwöhnlichem. Am Freitag wurde am Nachmittag ein BBQ veranstaltet, natürlich ereignete sich fünf Minuten vorher ein Wolkenbruch, nachdem es nun während drei Wochen schön war. So mussten wir anstatt im Garten in der Garage grillieren, was dazu führte, dass die ganze Schule nun einem Räucherhaus ähnelt, denn irgendjemand hat vergessen, die Türe zu schliessen.

Am Wochenende besuchten wir den Parque Simón Bolívar (Wikipedia Parque Simón Bolívar), welcher grösste Stadtpark der Welt! Dieser beinhaltet ein Areal für Konzerte, zwei kleine Seen und diverse Grünflächen.

Ausläufer des Sees, vom Haupteingang aus gesehen

Eine der zahlreichen, schattenspendenen Grünflächen

Andere Seite des Seeufers

Weiterer Ausläufer des Sees, hier können auch kleine Boote gemietet werden.

In der nächsten Woche werde ich noch die zahlreichen Museen besuchen, welche Bogotá zu bieten hat, sowie mir allmählich Gedanken über den unmittelbaren Reiseverlauf machen. Stay tuned!

Sonntag, 20. Januar 2013

19.-20. Januar 2013 - Camping im Parque Natural Chicaque

Samstag Morgen, 0900 Uhr. Ich schlafe friedlich.
*Klopf, klopf, klopf* Ich erwache unsanft.
"Marco, are you ready?"
"Ready, what for?!"
"For Camping! Jorge will be here in 20 minutes!"

Huh, habe ich was verpasst? Ich weiss zwar, dass wir dieses Wochenende in einen Nationalpark  gehen und dort Campen wollen, jedoch nichts Konkretes. Ich renne praktisch unter die Dusche und entgegne Nicolás (meinem Mitbewohner) offenbar noch "This is like the army all over again!". Innerhalb von 15 Minuten bin ich tatsächlich bereit, inklusive Packen (ja, es war sozusagen ein Granat- oder Prontoalarm, einzig das Gesicht habe ich mir nicht grün und braun angemalt). Also nochmals alles überprüfen: Taschenlampe, Sackmesser, Kleider, Schnur etc. Alles vorhanden! Bis Jorge auftaucht dauert es aber dann trotzdem noch über eine Stunde (war ja klar...). Bevor wir unsere Wohnung verlassen, mache ich Nicolás darauf aufmerksam, dass ich keinen Schlafsack habe. Kein Problem, meint er, ich könne eine seiner Decken benutzen. Auf meine Frage, ob es in diesem Nationalpark Mosquitos gebe, ernte ich nur einen Lacher. Es sei dort doch viel zu kühl! Gegen 11 Uhr fahren wir also in den Parque Natural Chicaque (Parque Natural Chicaque - Official Website), welcher etwa 90 Minuten südlich von Bogotá liegt. Dieser bietet neben Wandermöglichkeiten offensichtlich auch zwei Campingplätze, ein Restaurant und diverse Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise einen Seilpark. Was ein Campingwochenende in Kolumbien von jenem in der Schweiz unterscheidet, ist die Verbundenheit mit der Natur. Geht man in der Schweiz meist an einen See, so besucht man in Kolumbien wie im Chicaque einen so genannten Cloud Forrest. Als wir dann endlich ankommen, erfahren wir, dass zum Campingplatz zuerst ein Marsch von einer guten Stunde absolviert werden muss. Für mich kein Problem! Für Jorge's Freundin, welche mit Ballerinas unterwegs ist hingegen eher, denn wir müssen den ganzen Wald auf einem Kopfsteinpfad durchqueren. Jorge will nebst seinem Zelt zwei aufblasbare Luftmatrazen mitnehmen, sowie aufklappbare Stühle. Irgendwie war ich mir das in den letzten zwei Jahren anders gewohnt, da hatten der Chemieschutz-Anzug und andere Dinge Priorität ;-) An die wirklich wichtigen Dinge wie Taschenlampe, Sackmesser und Schnur hat ausser mir aber niemand gedacht. Wir können ihn aber schlussendlich davon überzeugen, dass wir die Stühle vielleicht eher nicht mitnehmen sollten. Wir machen uns also auf den Weg, um diesen Campingplatz zu finden. Wir verteilen das ganze Gepäck auf uns alle, denn Jorge hat es vorgezogen, seine sieben Sachen in zwei Abfallsäcke zu packen (das Campen war übrigens seine Idee...). Nach 45 Minuten Marsch machen wir einen kurzen Bierstopp und trudeln kurz darauf auf dem Zeltplatz ein.

Campingplatz Parque National Chicaque

Der Platz liegt abgesehen vom nahegelegenen Restaurant mit sanitären Anlagen wirklich mitten in der Natur und beheimatet gleichzeitig die Pferde, welche als Transporttiere dienen. Wir schlagen unsere Zelte mit mehr oder weniger Mühe auf und richten uns ein. Da wir Bogotá verhältnissmässig sehr später verlassen haben, dunkelt es auch bald schon ein und es wird Zeit fürs Abendessen, welches im Restaurant eingenommen wird. Am späteren Abend folgt ein Lagerfeuer an zentraler Lage, welches die meisten Besucher anzieht. Zwei Musiker spielen mit Gitarren bekannte (kolumbianische) Musik, zusammen wird gesungen. Lagerfeuerstimmung pur! Relativ früh wird geschlafen, so dass man wenigstens den Sonntag noch voll ausnutzen kann. In der Nacht wird es sehr kalt und ich erfriere fast unter meinen zwei dünnen Decken. Alle anderen schlafen vorzüglich auf ihren Luftmatrazen und in ihren Schlafsäcken. Wieso habe ich mich auch auf die Kolumbianer verlassen ;-) Zum Thema Mosquitos sage ich nur so viel: Die zahlreichen Stiche am ganzen Körper werden auch eine Woche später noch sichtbar sein...

Am nächsten Morgen wollen wir den nahegelegenen Wasserfall besuchen, welcher circa 45 Minuten Fussmarsch entfernt ist.

Blick in Richtung des Tales

Technische Spielerei ;-)

Wir durchqueren wieder ein Stück Wald, gefolgt von kleineren Bächen.

Natur pur!
Mini-Wasserfall

Der Wasserfall selbst war jedoch eher enttäuschend. Nichtsdestotrotz hatte ich die völlig idiotische Idee, meinen Kopf darunter zu halten. Selbstverständlich wurde auch die ganze Kleidung in Mitleidenschaft gezogen, welche bei beinahe 100% Luftfeuchtigkeit natürlich extrem schnell trocknet...

Ja, ich war wirklich so blöd!

Nach einer kurzen Verschnaufpause gehen wir zurücks ins Zeltlager und nehmen das Mittagessen ein. Nach dem "Auschecken" bestellen wir ein Pferd, welches die Ausrüstung zum Parkplatz transportiert, denn der Rückweg geht ausschliesslich bergauf. Nach dem Abbrechen der Zelte und dem Beladen des Pferds machen wir uns auf den (ziemlich anstrengenden) Rückweg. Oben angekommen werden wir für die Anstrengenungen mit dieser atemberaubenden Aussicht belohnt!

Aussicht auf den Nationalpark

Technische Spielerei, die Zweite

Müde aber glücklich fahren wir zurück nach Bogotá. Ein weiteres gelungenes Wochenende neigt sich dem Ende zu!

Freitag, 18. Januar 2013

8.-18. Januar 2013 - Sprachschule und Alltag

Nachdem ich am Vorabend herausgefunden habe, wo meine Sprachschule eigentlich genau situiert ist (Resultat: fünf Gehminuten), mache ich mich auf den Weg, um meine erste Spanisch Lektion zu erhalten. Nachdem ich während fast zehn Jahren keine neue Sprache mehr erlernt, sondern "nur" bestehende Kenntnisse vertieft habe, treffen mich die Basics wie ein Schlag. Während einer Woche werden mir wie im Kindergarten Bilder von Gegenständen gezeigt, welche die spanische Bezeichnung als Titel enthalten. Aller Anfang ist nun mal schwer! Nachdem meine Lehrerin am Freitag der ersten Woche während der Kaffeepause gefeuert wurde, erhielt ich eine andere Lehrerin. Bis zum heutigen Tag waren es vier verschiedene Lehrpersonen, doch dies ist offenbar die Philosophie der Schule. Langsam kommt die Sprache zum Vorschein und ich entwickle ein gaaaanz leichtes Sprachgefühl. Obwohl ich einmal fast fliessend Französisch konnte, muss praktisch jedes neue Wort erlernt werden, da es nur selten mit dem Französischen in Verbindung steht. Trotz allem sehe ich aber gewisse Parallelen in der Grammatik, was den Lernprozess ab einem gewissen Punkt sicherlich vereinfacht. Es bleibt interessant! Am Samstagabend treffe ich mich mit Jorge und nehme gleichzeitig Leute aus der Sprachschule mit. Auch mein Vermieter/Mitbewohner Nicolás gesellt sich mit Bekannten dazu, so dass wir schlussendlich eine stattliche Runde sind. Nachtleben Colombia-Style!

Nebst der Sprachschule fand ich ausserdem Zeit, um mit den Schulkollegen/innen eine Fahrradtour durch den kolonialen Stadtteil La Candelaria (Wikipedia La Candelaria) zu machen und den Monserrate (Wikipedia Monserrate) zu besteigen mit der Standseilbahn zu erkunden, welcher eine einzigartige Aussicht auf Bogotá bietet. Dabei werden die schiere Grösse dieser gigantischen Stadt offensichtlich! Alles in allem ist der Monserrate aber doch sehr touristisch, und so gibt es mehr Souvenirgeschäfte als anderes. Lohnenswert ist dieser Ausflug aber trotzdem!

Blick auf (einen Teil) Bogotá(s)


Mittwoch, 2. Januar 2013

2. Januar 2013 - Von Bankomaten, einem Stier und der englischen Sprache

Um circa 10 Uhr stehe ich mehr oder weniger erholt auf. Nach dem Konsultieren meiner Reiseführer und des Internets weiss ich nun ein wenig mehr über die Geografie der Stadt. Schliesslich basierten meine Ortskenntnisse bisher nur auf Google Maps, welche mir einen groben Überblick verschafften. Ich mache mich also mit meiner Bankkarte und einem Notgroschen von 50 US Dollar bewaffnet auf den Weg, um zuerst kolumbianisches Bargeld abzuheben und dann ein Taxi in die Innenstadt zu nehmen. Ich schaffe es, ohne Überfallen zu werden, zu einem Bankomaten. Dieser findet meine Idee, Geld abzuheben aber offenbar nicht so gut und sträubt sich daher. Dem Sicherheitsangestellten, welcher die zwei Bankomaten der Filliale bewacht, konnte ich mit Händen und Füssen klarmachen, dass ich ein Problem mit besagter Maschine habe. Nach einem zweiten Versuch, diesmal mit seiner Hilfe, geht immer noch nichts. Der Mann bringt mich ins Innere der kleinen Bankfilliale und verweist mich an die Angestellten. Doch auch diese sprechen, oh Wunder, kein Englisch. Nach einem mehrminütigen Versuch, welcher von einigen Lachanfällen beider Seiten mehrmals unterbrochen wurde, den Leuten klarzumachen, was mein Problem ist, werde ich schliesslich von einer Angestellten zu einer anderen Bank (!) begleitet. Die Dame überreicht mich an ihre Konkurrenz und verabschiedet sich von mir. Ich bin immer noch überrascht ob dieser Tat. Doch auch die Bankomaten dieser Bank wollen mein Vorhaben, Geld für ein Mittagessen zu bekommen, nicht unterstützen (es ist mittlerweile Mittag und ich habe mir bereits einen leichten Sonnenbrand geholt). Nachdem ich auch dort niemanden finde, der wirklich Englisch spricht, werde ich zur dritten Bank begleitet. Auch dort gibt es kein Geld. Nun ist mir klar, dass es nicht an den Bankomaten sondern nur an meiner Bankkarte liegen kann. "Glücklicherweise" hat meine Bank jedoch auch am 2. Januar noch nicht das Bedürfnis, die Hotline zu betreiben und so muss ich auf eine Alternative zurückgreifen und meine Kreditkarte verwenden. Das heisst, ich muss zu Fuss zurück in die Wohnung, ich habe ja kein Geld für ein Taxi, und dort meine Bankkarte gegen die Kreditkarte austauschen. Nur, wo war meine Wohnung nun genau? Ich laufe also in der brütenden Mittagshitze auf 2600 m ü. M. quer durch das ganze Quertier und versuche das Gebäude zu finden, welches offenbar wie alle anderen aussieht. Um das Ganze noch zu überbieten, werde ich auf halber Strecke auch noch von einem Stier verfolgt (Was zum Teufel macht ein Stier in Bogotá?!). Dieser wurde unterwegs aber zum Glück vom Besitzer wieder eingefangen (Vielen Dank!) und so kam ich irgendwann an mein Ziel.

In der Wohnung angekommen nehme ich meine Kreditkarte und gehe nochmals zum ersten Bankomaten. Und siehe da, es funktioniert! Mit einem dickeren Portemonaie suche ich ein Taxi. Logischerweise spricht aber auch dessen Fahrer kein Englisch, aber ich schaffes es irgendwie an den Plaza de Bolívar. Dieser liegt im Herzen des historischen Bogotá und ist unter anderem vom Kongresshaus sowie vom Palacio de Justicia umgeben. Auffallend sind die vielen Tauben, welche mit Maiskörnern gefüttert werden können. So erinnert das Ganze sehr an Mailand. Wer mehr über diesen wichtigen Ort in Bogotá erfahren möchte, kann dies unter folgendem Link tun: Wikipedia Plaza de Bolívar

Plaza de Bolívar

Anschliessend mache ich mich auf die Suche nach Essen und finde ein Restaurant, welches offenbar von der lokalen Bevölkerung rege besucht wird. Ein gutes Zeichen. Ich interpretiere die spanische Speisekarte und bestelle per Zeigefinger. Offenbar habe ich richtig gepokert, und erhalte tatsächlich das erhoffte Stück Fleisch. Zusammen mit zwei Runden an Getränken kostet mich das Mittagessen umgerechnet 5 Franken. Gestärkt verlasse ich das Lokal und flaniere noch ein bisschen in den unmittelbaren Strassen. Ich fühle mich absolut sicher. Bis jetzt hat noch niemand versucht mich zu bestehlen, ich werde lediglich regelmässig neugierig angestarrt. Obwohl ich nicht wie der klassisch hellhäutige Europäer aussehe, realisiert man doch, dass ich eigentlich nicht nach Kolumbien gehöre. Müde mache ich mich nach einer Stunde auf den Weg zurück nach Hause, welches ich auf Anhieb finde.

Nach ein paar Stunden Ruhezeit, mittlerweile ist es bereits dunkel, suche ich mir wieder ein Taxi und mache mich auf den Weg in die Zona T. Diese befindet sich in der berühmten Zona Rosa (Wikipedia Zona Rosa), welche die meisten gehobenen Restaurants, Bars, und Clubs enthält, sowie Geschäfte wie beispielsweise Hugo Boss oder Bulgari beherbergt. Sofort fällt mir auf, dass dies ein anderes Bogotá ist, als jenes, das ich bisher gesehen habe. Die Zona Rosa könnte genau so gut in Barcelona oder einer anderen südländischen Stadt stehen. Luxus und Kapital sind hier offenbar angesagt. Ich suche mir eines der unzähligen Restaurants aus und erhalte tatsächlich eine englische Speisekarte. Spätestens jetzt sind sämtliche Zweifel beseitigt, welche Gesellschaftsschicht sich in dieser Gegend aufhält. Auch falle ich hier nicht so sehr auf. Nach einem sehr guten Essen mache ich mich, immer noch von den sechs Stunden Zeitverschiebung gebeutelt, auf den Weg nach Hause, wo ich sehr schnell einschlafe.

Dienstag, 1. Januar 2013

1. Januar 2013 - Es geht los!

Jetzt ist es also so weit. Der D-Day wurde erfolgreich erreicht. Ich treffe in meinem Zimmer in Zürich die letzten Vorbereitungen, diese Wohnung werde ich erst in fünfeinhalb Monaten wieder sehen. Bis dahin geht es quer durch die nördliche Hälfte von Südamerika. Namentlich werde ich in Bogotá (Kolumbien) starten und dort nachher einer Woche Akklimatisierung zuerst einen fünfwöchigen Sprachkurs absolvieren. Anschliessend wird während circa sieben Wochen der Rest des Landes erkundet, welches vor allem in Amerika und Europa einen so schlechten Ruf geniesst. Nach Kolumbien folgen Ecuador und Peru, wo planmässig hauptsächlich Lima, das Amazonasgebiet und natürlich Machu Picchu auf dem Programm stehen. Alles andere ist aber noch ungewiss, eine halbjährige Reise soll man ja auch nicht bis ins Detail planen. Die restliche Zeit werde ich in Bolivien verbringen und schlussendlich Mitte Juni von La Paz nach Miami fliegen, wo ich mich noch während drei Tagen von den Reisestrapazen erholen werde, bevor es zurück in die, bis dann hoffentlich auch sommerliche, Schweiz geht.

Südamerika

Ein beträchtlicher Teil meiner Bekannten und Verwandten, welchen ich diese Reisepläne offenbarte, runzelten zumindest die Stirn. "Das ist aber mutig", war von den Abenteuerlustigsten zu hören. "Spinnst du eigentlich?!", war die Aussage am anderen Ende des Bandes. Schreckensbilder wurden mir ausgemalt, ich werde höchstwahrscheinlich entführt, verschleppt oder zumindest unter Drogen gesetzt und dann ausgeraubt. Naja, wir werden es ja sehen. Von solchen Aussagen lasse ich mich auf jeden Fall nicht abschrecken, kenne ich doch einige Leute in Kolumbien und Peru. Ihre Reaktion war eine überschwängliche Freude, jemandem das Land zeigen zu dürfen. Denn zumindest Kolumbien ist eher berüchtigt als berühmt und touristisch noch nicht wirklich erschlossen, was auf sehr authentische Erlebnisse hoffen lässt. Sicher müsse ich mich vorsichtig verhalten, meinten sie, doch es sei wie überall auf der Welt. Ich habe aber keine Zweifel, dass man mit einer gewissen Vorsicht, wie beispielsweise nicht mit einer gut sichtbaren, teuren Uhr durch ärmere Gegenden zu spazieren, schon mal gut fährt. Ausserdem muss man sich auf die Einheimischen verlassen, die werden es ja wohl wissen! Von Venezuela wurde mir beispielsweise abgeraten, was ich sehr ernst nehme.

05.00 Uhr, jetzt geht es definitiv los. Mein Vater fährt mich an den Flughafen, der Check-In verläuft dank Neujahr problemlos und ohne lange Wartezeiten. Ein kurzer und schmerzloser Abschied gefolgt von einem reibungslosen und pünktlichen Flug nach Madrid. Dort erwartet mich ein in die Jahre gekommener Airbus A340-600, welcher ebenfalls pünktlich abfliegt. Kurz gesagt, war es der schlimmste Langstreckenflug, den ich bis jetzt erlebt habe; in knapp 10 Stunden Flugzeit wurden eine nicht ganz lupenreine Version von Cannelloni und zwei staubtrockene Sandwiches serviert. Dazu gab es genau drei kleine Getränke, Mineralwasser war nicht in der Auswahl. Auch das Inflight Entertaining System war praktisch inexistent.

Kabine des Airbus A340...
Wir erreichen die Küste Venezuelas.

Wie auch immer, nach einem sehr schönen Anflug über die diversen Hügelketten landeten wir zumindest pünktlich in Bogotá auf über 2600 Meter über Meer. Nach einer problemlosen Einreise werde ich wie geplant abgeholt und in die Wohnung im Osten der Stadt gefahren, wo ich ein Zimmer miete. Die ersten zwei Tage werde ich alleine in Bogotá sein, bevor ich mit einem kolumbianischen Freund, Jorge Vargas, welchen ich in Manchester kennengelernt habe, für vier Tage in seine Heimatstadt Duitama gehe. Doch zuerst heisst es jetzt Auspacken und noch die unvergessliche Aussicht auf die kolumbianische Hauptstadt geniessen, bevor es nach knapp 22 Stunden Reisezeit ins Bett geht. Bogotá ist schliesslich auch morgen noch da, und ich will mich nicht leichtsinnig einem Risiko aussetzen.

Erste Aussicht auf Bogotá

....und eine gute Stunde später